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Monatsspruch

Juni 2021

Man muss Gott mehr gehorchen, als den Menschen. (Apostelgeschichte 5,29)

Ach ja? Sagt wer?

So aus dem Zusammenhang gerissen, fallen wir mit diesem Wort wieder ganz weit hinter protestantische Lust und Last von Freiheit und Verantwortung zurück. Denn dann werden sich wieder ganz schnell Menschen finden, die mir erzählen, was Gott von mir erwartet. Was heißt finden – es gibt sie (gab sie immer): religiöse Extremisten, Terroristen, Fundamentalisten oder einfach nur G´scheitschwätzer. Es gibt sie auch als christliche, protestantische Ausgabe. Dann geht es immer um Macht.

Wir befinden uns in turbulenter Zeit in Jerusalem. Christi Himmelfahrt und Pfingstgeschehen – das große Fest der Mündigkeit, das Fest von Freiheit und Verantwortung, Eigenverantwortung, das wir gerade wieder mit der Konfirmation erinnert und aktuell ins Bild gesetzt haben, liegen hinter uns. Die eben noch zaghaften und verzweifelten Christ-*Innen haben wieder Mut gefasst. Sie sind gerade dabei, sich als eigenständige Gemeinschaft glaubender und handelnder Menschen zu konsolidieren. Endlich haben sie die Botschaft Jesu Christi verstanden – und sie machen sie sich zu EIGEN!

Wunderschön beschreibt die Apostelgeschichte, dass die Gemeinschaft, die sich ganz frisch gefunden hatte, ein Herz und eine Seele waren – schön, wenn das jede Gemeinde von sich sagen könnte –; sie hatten Gütergemeinschaft, und sie waren dabei, Nächstendienst zu organisieren, sich um die Schwachen und Abgehängten zu kümmern. Ganz im Sinne Jesu, der gesagt hat: Ich habe keinen von denen verloren, die du mir gegeben hast (Joh 17,12 i.V.m. Joh 18,9). Die Apostel*Innen heilen Menschen – ganz wie Jesus und ganz selbstverständlich. Die Freund*Innen Jesu sind nicht wiederzuerkennen… Und – sie sind schon (wieder) in Bedrängnis: Einmal waren sie schon im Gefängnis, wurden wundersam befreit und setzen nun ihr Werk unverdrossen öffentlich fort.

Und in dieser Auseinandersetzung zwischen den „Frischlingen“ und den etablierten Machthabern der Aufrichtigkeit fällt dieser Satz. Es geht nicht um Strammstehen und Befehl – tatsächlich berufen sich die Apostel*Innen nicht unmittelbar auf Gott, sondern auf einen selbstempfundenen Auftrag, darauf, was sie für richtig, für lebens- und menschenfreundlich erachten. Mag man es so benennen: Sie folgen ihrem Gewissen! Sie versuchen auf die Frage zu antworten, was Gott denn gefallen könnte, was Jesus denn tun würde; ja, getan hat! Sie verantworten (!) mit ihrem Leben auf die selbstgestellte Frage: Was bin ich bereit und in der Lage zu tun!

Es geht um freiwillige Selbstbindung und den selbstempfundenen Auftrag, über den ich allein mir selbst und Gott gegenüber Rechenschaft geben kann. Niemand anders kann darüber befinden. Sie sagen (hier zitiere ich mich selber aus dem Gottesdienst Kantate): Wir lassen uns das Singen nicht verbieten… (das Singen nicht und auch die Fröhlichkeit…) – und auch das Predigen und öffentliche Wirken nicht, denn das soll ihnen untersagt werden. Und es ist kein Trotz, wenn sie sagen: Ich lasse mir den Mund nicht verbieten; nein – es geht einfach nicht, weil sie sich dann selbst und Gott untreu würden. Im April gedachten wir Dietrich Bonhoeffers und im Mai Sophie Scholl; ihre Namen stehen für – Gott sei es gedankt – die Vielen.

Tatsächlich geht es nicht darum, von Gott Befehle zu empfangen, sondern sich von Gott lieben zu lassen. Zu sagen: danke, dass du mich wunderbar gemacht hast (Ps 139,14); das zu sehen und anzuerkennen in unserer ganzen Unzulänglichkeit, von der ich mich dann nicht lähmen lassen muss (was kann ich schon ausrichten…), sondern ermutigt bin zu handeln. Gott liebt mich, wie käme ich dazu, mich nicht zu lieben.
Als Petrus einmal einen gelähmten Bettler am Tempel sieht (Apg 3,6), sagt er diesen wunderschönen Satz: Gold und Silber hab ich nicht, was ich aber habe, das gebe ich dir! Und dann heilt er ihn… Es gibt so vieles, was wir nicht haben oder können, aber niemand behaupte von sich, dass er nichts habe, was er geben könnte.

Eine weitere Heilungsgeschichte: Ein von mir sehr geschätzter Mensch fährt in der U-Bahn und wird von einem jungen Bettler angesprochen und um Geld gebeten; die übliche Geschichte: krank, deshalb ohne Arbeit, ohne Wohnung usw. Der Angesprochene gibt ihm etwas Geld, aber er bleibt dabei nicht stumm: Er sagt: Gib dich nicht auf.

Das Unerwartete tun! Gib dich nicht auf heißt: im Namen Jesu Christi, schluck nicht einfach alles so, wie es ist; schleich dich nicht einfach so davon. Gold und Silber hab ich nicht, was ich aber habe, das gebe ich dir...

Man muss nicht selbst der Messias sein, um Zeichen zu setzen. Wenn wir den Auftrag und die Befähigung, die Jesus auch seinen Jünger*Innen gelassen hat, verstehen und annehmen, können auch wir Zeichen setzen und erweisen uns so gleichfalls als Beauftragte Gottes – durch Jesus Christus; nur in seinem Namen, nicht auf eigene Rechnung wird das gelingen. Wenn wir – Männer oder Frauen, einzeln oder gemeinsam – nicht aufstehen, uns nicht zuwenden, Leid und Ungerechtigkeit nicht laut werden lassen, wenn wir nicht reden und handeln, wenn also nicht ein jede*r nach seinem Vermögen und in seinen Grenzen selbst die Aufgabe für sich sieht und sich ihr stellt, dann würden wir Christus am Kreuz hängen lassen. Wenn einer einfach tut, was er kann, dann ist doch damit ein Stück dem gewehrt, was das Böse will: Leben unterdrücken, Menschen an den Rand drängen, vergessen machen, ausschalten. Wenn einer einfach tut, was er kann, schafft er Leben. Nicht mehr und nicht weniger wollte auch Jesus Christus.

Und vielleicht muss man nicht einmal Tote auferwecken oder Kranke heilen – Naturgesetze außer Kraft setzen –, sondern vielleicht reicht es schon, das Unerwartete zu tun, andere „Natur“-Gesetze – wie z.B. das: jeder ist sich selbst der Nächste – zu übersteigen.

Darin liegt die Befreiung, die Gott, die Jesus für den Menschen will: das Überschreiten von Grenzen, die wir uns selbst, die die Gesellschaft, Sachzwänge... uns setzen.

Es ist keine Pflicht, es wird nicht erwartet – eben drum! Das Unerwartete tun – jede*r für sich oder miteinander, aber nicht gegeneinander. Zögern wir nicht!

Ihr
d. lippold

Die Monatssprüche 2021

Auslegung Jahreslosung 2021: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! (aus der Feldrede Jesu aus dem Lukasevangelium 6, 36)

Januar: Viele sagen: "Wer wird uns Gutes sehen lassen?" HERR, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes! Psalm 4,7 (L)

Auslegung Februar 2021: Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind! Lukas 10,20 (E)

Auslegung März 2021: Jesus antwortete: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien. Lukas 19,40 (L)

Auslegung April 2021: Christus ist Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene der ganzen Schöpfung. Kolosser 1,15 (E)  => Gedanken zu Ostern: Emmaus ist überall

Mai 2021: Öffne deinen Mund für den Stummen, für das Recht aller Schwachen! Sprüche 31,8 (E)

Auslegung Juni 2021: Man muss Gott mehr gehorchen, als den Menschen. Apostelgeschichte 5,29 (L=E)

Auslegung Juli 2021: Gott ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir. Apostelgeschichte 17,27 (L)

August 2021: Neige, HERR, dein Ohr und höre! Öffne, HERR, deine Augen und sieh her! 2 Könige 19,16 (E)

September 2021: Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt; ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch, und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt's in einen löchrigen Beutel. Haggai 1,6 (L)

Oktober 2021: Lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken. Hebräer 10,24 (L)

November 2021: Der Herr aber richte eure Herzen aus auf die Liebe Gottes und auf das Warten auf Christus. 2.Thessalonicher 3,5 (L)

Dezember 2021: Freue dich und sei fröhlich, du Tochter Zion! Denn siehe, ich komme und will bei dir wohnen, spricht der HERR. Sacharja 2,14 (L)

Auslegungen zu Monatssprüchen 2020

Auslegung  März: Jesus Christus spricht: Wachet! Markus 13,37 (L)
Auslegung
  April:  Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. 1.Korinther 15,42 (L)
Auslegung
  Mai:  Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat! 1.Petrus 4,10 (E)
Auslegung
  Juni: 
Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder. 1.Könige 8,39 (L)
Auslegung
  Juli: Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. 1.Könige 19,7 (L)
Auslegung
  August: 
Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. Psalm 139,14 (L)
Auslegung
  September: 
Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat. 2.Korinther 5,19 (E)
Auslegung
Oktober: 
Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl. Jeremia 29,7 (L)
Auslegung
  November: 
Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten. Jeremia 31,9 (L)

Letzte Änderung am: 21.06.2021