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Monatsspruch

Oktober 2020:
Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum Herrn;
denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.

(Jeremia 29,7)

 

Der Kiez Mariendorf bietet über 50.000 Menschen Heimat, Arbeit und Wohnung. Viele sind hier geboren und auch geblieben. Andere sind erst hergezogen, aus anderen Stadtteilen Berlins, aber auch aus anderen Ländern und Kontinenten. Wie aber wird der Ort, an dem ich lebe, zur Heimat?

Diese Frage stellte sich ganz ähnlich für etliche tausend Menschen aus dem Volk Israel vor 2.600 Jahren. Es hatte sie nach einem verlorenen Krieg von Jerusalem nach Babylon, in die fremde Großstadt verschlagen. Ihre Stimmung war: Das soll nun unser Zuhause sein? Nein, nichts wie weg, lieber heute als morgen! Babylon kann uns keine Lebensqualität bieten. Hier kann man nicht zuhause sein. Wir fühlen uns hier fremd.

Die Israeliten waren äußerlich Flüchtlinge. Aber sie machten sich durch diese Einstellung innerlich zu Heimatlosen. Die Botschaft Gottes, die der Prophet Jeremia in dieser Situation ausrichtet, lautet: Heimat ist da, wo ihr jetzt seid! Hier hat Euch Gott hingestellt! Hier ist Euer Platz! Macht was draus! Macht es Euch wohnlich! Richtet euch ein! Baut Häuser, pflanzt Gärten! Heiratet, gründet Familien! Tut das Beste für die Stadt, in der ihr lebt und betet für sie! Schlagt die Zeit nicht einfach tot! Jammert nicht, dass ihr hier seid, sondern nutzt die Stunde. Träumt nicht von der Zukunft, sondern lebt im Heute!

Gott setzt sich hier dafür ein, dass Menschen ihre Kultur pflegen auch am ungewohnten Ort. Ja, mehr noch – der Ruf lautet: Suchet der Stadt Bestes! Nehmt politische Verantwortung wahr! Betet für das Wohl der Menschen in dieser Stadt! Und vergesst nicht, Gott zu suchen an dem Flecken Erde, an dem ihr jetzt seid. Das ist kein Wort für Alteingesessene. Aber es ist eine spannende Vorstellung, dass Neuzugezogene, Wessis und Ossis, ausländische Mitbürger*innen genauso wie Einheimische den gleichen Auftrag bekommen: Macht was aus dem Ort, wo ihr jetzt seid!

Dass der Ort, wo ich lebe, zur Heimat wird, muss Begegnung geschehen, zwischen unterschiedlichen Kulturen und Mentalitäten. Man muss hier leben wollen und Kontakte und Freundschaft pflegen – mit Witz und Musik, mit Kultur und Politik, mit Körper und Geist. Dann wird der Ort zum Zuhause, wohnlich und Heimat. Gott will, dass Menschen es sich wohnlich machen, das Miteinander, die Kultur pflegen. Hier klafft nicht auseinander, was wir leider oft getrennt betrachten: Hausbau, Laubenpflege, Party auf der einen Seite. Beten, nach Gott fragen, Glauben auf der anderen Seite. Bei Gott ist Lebensqualität beides: Glaube und Kultur. Gute Lebensbedingungen sind gute Glaubensbedingungen!

So klingt der Ruf des Jeremia über die Jahrtausende hinweg sehr aktuell: Macht was aus Eurem Kiez! Lasst Mariendorf einen Ort werden, der Charme gewinnt, sodass Menschen sich wohl fühlen im Quartier. Denkt an das Miteinander von Kindern und Älteren, Deutschen und Ausländern, Christen und Muslimen, Reichen und Armen, Starken und Schwachen. Suchet der Stadt Bestes! Suchet des Kiez Bestes ... und betet für ihn zum Herrn!

Jeremia kann dazu auffordern, weil er um eine Perspektive der Hoffnung weiß. Er erinnert daran, was viele vergessen haben: Gott meint es gut mit euch. Er hat Gedanken des Friedens und nicht des Leides, er will euch Zukunft und Hoffnung geben. (Vers 11)

In Corona- oder anderen Lebens-Krisenzeiten wandert der Blick ja oft zurück und es wird nach dem „Warum?“ gefragt. Oder die Gedanken phantasieren sich in die Zukunft, wenn die Krise vorüber ist. Aus der Perspektive der Hoffnung, dass Gott das Heute in seinen Händen hält und eine gute Zukunft zusagt, ist Handeln im Hier und Jetzt möglich. Das Leben wird in der Krise gestaltet, nicht erst danach. Und Schritt für Schritt kann so neues Vertrauen wachsen. Heimatliches Wohlfühlen – Ankommen und Bleiben wollen. Der Gott der heimatlichen Gefühle hat sich auch in der Krise bewährt, ja gerade dort.

Uli Seegenschmiedt

Die Monatssprüche 2020

Januar:  Gott ist treu. 1.Korinther 1,9 (L)

Februar:  Ihr seid teuer erkauft; werdet nicht der Menschen Knechte. 1.Korinther 7,23 (L)

 Auslegung  März: Jesus Christus spricht: Wachet! Markus 13,37 (L)

 Auslegung  April:  Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. 1.Korinther 15,42 (L)

 Auslegung  Mai:  Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat! 1.Petrus 4,10 (E)

Auslegung  Juni:  Du allein kennst das Herz aller Menschenkinder. 1.Könige 8,39 (L)

Auslegung  Juli: Der Engel des HERRN rührte Elia an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. 1.Könige 19,7 (L)

Auslegung  August:  Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. Psalm 139,14 (L)

Auslegung  September: Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat. 2.Korinther 5,19 (E)

Auslegung Oktober:  Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn's ihr wohlgeht, so geht's euch auch wohl. Jeremia 29,7 (L)

Auslegung  November: Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten. Jeremia 31,9 (L)

Dezember: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut! Jesaja 58,7 (L)

Auslegung  Jahreslosung 2021:Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! (aus der Feldrede Jesu aus dem Lukasevangelium 6, 36)

Letzte Änderung am: 27.10.2020