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RSSPrint

An(ge)dacht zu Christi Himmelfahrt

„Jetzt ist er weg.“

Leise dringt die Stimme durch das  herrschende Schweigen. „Ja“, murmelt ein anderer. „Jetzt ist er weg.“ Die kleine Gruppe blickt einander an. Mit sorgenvollem Blick. Mit traurigem Blick. Ja, sogar mit ängstlichem Blick. Niemand lächelt.

„Wir sollten gehen“, sagt da einer der Vernünftigen, „hier zu bleiben, bringt doch nichts.“ Zustimmend nicken die anderen und setzen sich langsam in Bewegung. In Richtung Stadt. Dabei ist ihnen gar nicht nach Trubel zumute. Und schon gar nicht nach dem Hohn der Ich-habs-ja-gewusst-Sager.

Nach einer Weile bricht einer das Schweigen: „Also hatten die anderen doch Recht“, sagt er mit fester Stimme. „Sie hatten Recht, dass sich nichts ändern würde, dass doch alles beim Alten bleiben würde. Die Menschen sind wie sie sind. Und einen Gott, Der eingreift, in die Geschichte der Menschen eingreift, Den gibt es eben nicht!“

Der Mann neben ihm stöhnt. Ihn nervt diese Schwarzmalerei und diese nicht enden wollende Skepsis. „Skepsis ist das letzte, was wir jetzt brauchen können“, denkt er. Aber er bleibt still. Der andere scheint diesmal im Recht zu sein. Diesmal scheinen doch sie alle sich geirrt zu haben.

Ein anderer mischt sich ein. Es ist der Frohgemute unter ihnen. Einer, der immer einen Ausweg sieht und von Gottvertrauen getragen ist. Er antwortet dem Skeptiker: „Das kann man so nicht sagen, finde ich. Gott hat doch schon eine Menge getan. Gerade in den letzten Wochen. ER hat Kranke geheilt und Traurige getröstet. Und Er hat dafür gesorgt, dass wir noch leben. Trotz dieser bedrängenden Zeit.“

„Aber jetzt ist ER weg.“ Der Skeptiker ruft es fast. - „So ein Unsinn. Warum sollte Gott weg sein?“„Du hast es doch gesehen. Gerade eben. In den Himmel aufgefahren. Und wir hier können jetzt zusehen, wie wir klar kommen.“

Der Frohgemute blickt sich um zu den anderen. „Denkt ihr das auch?“ Blickte kreuzen sich, andere sehen zu Boden oder weichen aus. Der Frohgemute bleibt stehen. „Das kann nicht euer Ernst sein! Das könnt ihr doch nicht wirklich glauben“, sagt er.

Immer noch Schweigen. Die Augen des Frohgemuten gehen von einem zum anderen und bleiben schließlich bei einem stehen: „Was ist mit dir? Du bist unser Fels. Was glaubst du?“ Der Angesprochene überlegt nur kurz, bevor er antwortet: „Ich glaube, dass Jesus der Heilige Gottes ist und, dass er uns Worte ewigen Lebens gegeben hat.“ - „Genau, und weiter?“

Der Fels-Genannte zögert. Dann fährt er fort: „Und er hat gesagt: Euer Herz ist voll Trauer. Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, will ich ihn zu euch senden. Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht. (Johannes 16,6b-8)

Viele unter ihnen beginnen zu lächeln. Es war wirklich ein Phänomen, wie genau der Fels-Genannte unter ihnen zuhören und das Gesagte widergeben konnte. Der Frohgemute ergänzt: „Und dann hat er uns gesegnet, bevor er in den Himmel aufgefahren ist.“„Und alles ist wie vorher“, ergänzt ein weiterer Skeptiker.

„Nein, es ist eben nicht wie vorher“, ruft der Frohgemute. „Gott hat versprochen unter zu ein; uns zu stärken mit allem, was wir brauchen, damit Angst und Zweifel uns nicht überwältigen. Ihr habt es doch gehört.“

Keiner reagiert. Zumindest sagt keiner etwas. Stattdessen setzen sie ihren Weg langsam fort. Wieder langes Schweigen. Nach einer Weile hört man einen von ihnen murmeln. Es ist der Nachsinnende unter ihnen: „Tröster. Beistand. Fürsprecher. Lehrer. Ratgeber. Wohltuer.“

Der Freund neben ihm sieht ihn an: „Stimmt. So hatte Gott beschrieben, wie Er unter uns wirken wolle.“ Der Nachsinnende blickt auf: „Vielleicht tut Er es schon. Vielleicht ist Er genau an unserer Seite. Auch jetzt, in diesem Moment. Vielleicht merken wir es nur nicht, weil Gott deutlich unaufgeregter in uns wirkt, als wir denken.“

„Aber woran merken wir es dann?“, fragt der andere. „Vielleicht“, schaltet sich ein weiterer Jünger ein, „an Menschen wie den Frohgemuten, der einfach nicht aufhört, an das Gute zu glauben. Oder an Menschen wie den Fels, der die Worte des Herrn so genau verstehen und weitergeben kann.“

„Oder“, ergänzt ein vierter, „an jenen Hilfsbereiten, die nicht müde werden sich für andere einzusetzen.“ - „Oder“, schließt der Frohgemute, „im Glauben an die Worte des Herrn: „Ihr werdet erkennen, dass ich in meinem Vater bin, und ihr in mir und ich in euch.“ (Johannes 14,20)

Liebe Gemeinde,
in diesem Sinne wünsche ich Ihnen, dass Christus in ihnen spürbar sei, dass sein Licht und sein Wort Ihnen in dunklen Stunden leuchten und sein Beistand Sie miteinander und mit Gott verbinden und erhalten möge.

Ihre Pfarrerin Franziska Roeber

(Andacht für die Woche vom 25. Mai bis 1. Juni 2020)

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mit Texten, Psalmen, Liedern
(jeweils zwei Varianten)

 

Letzte Änderung am: 23.05.2020