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In der nächsten Zeit (des Lockdown) begleiten Sie wieder Andachten durch die Woche. Jeweils am Sonntag gibt es einen neuen Impuls Ihrer Gemeindepfarrer ...

An(ge)dacht

Der Hauptmann der drei Betten und die sechs Krüge

So war es in der letzten Woche, in der ersten Andacht zur Epiphaniaszeit: Drei Könige lagen in einem Bett und schlummerten, wurden angestupst: Wach auf! In dieser Woche legen wir uns wieder hin und schieben noch zwei Betten zusätzlich in den Raum. Und schon sind wir nicht mehr bei den drei Königen, sondern auf der Hochzeit zu Kana.

In der Antike feierten die Menschen im Liegen. Drei Betten wurden um einen Tisch gestellt, zu dritt lag man jeweils auf einer Liege. Die Betten waren durchgezählt – unterste Liege, mittlere Liege, oberste Liege. Die Stelle, an der man lag, zeigte den Rang an. Auf der untersten Liege lag der Gastgeber mit seiner Familie, auf der mittleren lagen die Ehrengäste, auf der oberen weitere Gäste. Das ist kaum anders als heute, wenn Platzkarten über den Sitznachbarn entscheiden, und darüber, wie man sich den lieben langen Abend unterhält.

Damals entschieden nicht Platzkarten sondern der „Hauptmann der drei Betten“. So lässt sich wörtlich etwa das Amt übersetzen. „Sie liegen hier ... Sie liegen dort … ist das Kissen weich genug?“ Der Bettmeister sorgte dafür, dass beim Tischgelage alles seine rechte Ordnung hatte, dass es jeder auf seinem Platz bequem hatte. Die Speisen wurden natürlich zuerst für die Ehrengäste der mittleren Liege aufgetragen, nach den weiteren Gästen folgte am Schluss die Familie des Gastgebers. „Hauptmann der drei Betten“ – in unserer Lutherbibel wird schlichter mit „Speisemeister“ übersetzt, wir kennen noch den Oberkellner.

Die Rollenverteilung ist klar: Die einen liegen, die anderen organisieren. Und wenn etwas schief geht? Bei einer Hochzeit hat der Bettmeister nicht nur drei Betten samt Gästen zu ordnen, sondern zahlreiche Liegen sind in Gruppen zusammengeschoben. Er freut sich, das bisher alles reibungslos verläuft, und merkt gar nicht, welche Misere sich anbahnt.

Die Weinkrüge sind beinahe leer. Wer merkt’s zuerst? Maria, die Mutter Jesu – aufmerksam ist sie, hat einen Blick, dass gleich alle auf dem Trockenen liegen. Sie scheint die eigentliche Herrin des Tischgelages zu sein. Es folgt der wunderbar knappe Dialog mit ihrem Sohn.

Mutter: „Tu etwas!“
Sohn: „Was willst du? Jetzt nicht.“
Mutter zu den anderen: „Macht, was er sagt.“

Und die anderen machen. Schütten Wasser in sechs große Krüge. Im Kuppelmosaik der Taufkapelle in Neapel sieht man sie schütten, bis die Krüge überlaufen. Und der Hauptmann der drei Betten? Nichts scheint er vom Drama im Hintergrund gemerkt zu haben. Auf dem Mosaik sieht man noch seine Hand, die die Schale empfängt, um von den vollen sechs Krügen zu kosten. Der Bettmeister wundert sich über den sehr guten Wein, viel besser als die Weinkrüge davor.

O Hauptmann, bald hätte sich dein Tischgelage aufgelöst! Urangst aller Gastgeber: Nichts zu trinken mehr, die Gäste stehen auf und gehen. Danach ist der Ruf ruiniert. Das schöne Amt über die Betten wäre verloren gewesen. All das blieb erspart.

So schlicht ist die Rollenverteilung also nicht – die einen liegen, die anderen rotieren und organisieren. Amt und Titel hätten nichts genützt, die Misere noch abzuwenden. Im Hintergrund wirkten andere, sahen und debattierten, schafften und wandelten.

Für diese Woche also: Kissen aufschütteln, der eigene Bettmeister sein oder einen lieben Menschen darum bitten. Manche Dialoge im Hintergrund hören wir gar nicht. Wer dort rotiert, organisiert und erhält – an den glauben wir.

Herzlich grüßt Ihr Simon Danner

 

Die Hochzeit zu Kana zum Nachlesen:

Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was er euch sagt, das tut. Es standen aber dort sechs steinerne Wasserkrüge für die Reinigung nach jüdischer Sitte, und in jeden gingen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt’s dem Speisemeister! Und sie brachten’s ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, der Wasser gewesen war, und nicht wusste, woher er kam – die Diener aber wussten’s, die das Wasser geschöpft hatten –, ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie trunken sind, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat. Es geschah zu Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn. (Johannesevangelium Kapitel 2, Verse 1–11)

Wochenandachten zum Nachlesen

Aktuelle Andachten 2021

Andacht Pfarrer Uli Seegenschmiedt (10-16. Januar) Aufwachen!
Andacht
Pfarrer Simon Danner (17.-23. Januar) Der Hauptmann der drei Betten
Andacht Pfarrer Detlef Lippold (24.-30. Januar) Ei, gucke da ...

Andachten aus dem Frühjahr 2020

Andacht Pfarrerin Franziska Roeber (23.-29. März) Fesseln fallen
Andacht Pfarrer Uli Seegenschmiedt (30. März - 5. April) Händewaschen anders!

Andacht Pfarrer Detlef Lippold (6.-12. April 2020) Nachfolge heißt Mitgehen
Andacht
Pfarrerin Franziska Roeber (13.-19. April) Rühr mich nicht an!
Andacht Pfarrer Uli Seegenschmiedt (20.-26. April) Sind wir noch brauchbar?
Andacht
Pfarrer Detlef Lippold (27. April - 3. Mai) Das kann doch nicht wahr sein … 

Andacht Pfarrerin Franziska Roeber (4.-10. Mai) Jeden Tag neu
Andacht
Pfarrer Uli Seegenschmiedt (11.-17. Mai) Die größte Geisel der Menschheit
Andacht Pfarrer Detlef Lippold (18.-24. Mai) Ach herrje ...
Andacht Pfarrerin Franziska Roeber (25.-31. Mai) Jetzt ist er weg.

Andacht Pfarrer Uli Seegenschmiedt (1.-7. Juni) Bleibt auf dem Teppich!
Andacht Pfarrer Detlef Lippold (8.-14. Juni) Alle Tage wieder
Andacht Pfarrerin Franziska Roeber (15.-21. Juni) Unüberwindliche Kluft?

Wenn ich alleine bin ...

Vorschlag für eine stille Andacht

am Morgen, Mittag und Abend
mit Texten, Psalmen, Liedern
(jeweils zwei Varianten)

 

Letzte Änderung am: 19.01.2021