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Glaube in verletzlicher Zeit

Impulstag zu den Auswirkungen der Covid-Pandemie mit Traumatherapeutin, Palliativmediziner und Theologin

© Kalender der Militärseelsorge

Nach Beobachtung von Medizinern und Trauma-Experten haben die wegen der Corona-Pandemie verhängten Einschränkungen zu gravierenden psychischen Problemen geführt. Durch die Einschränkungen hätten Menschen die Sicherheit fester Strukturen etwa im Beruf oder im Privatleben verloren, was Verunsicherung und existenzielle Angst auslösen könne, sagte die Traumapädagogin Martina Bock.

Der Palliativ-Mediziner Marcus Schlemmer bezeichnete es als „Kulturschock“, dass Menschen in Intensivstationen einsam und ohne Begleitung sterben mussten. In dieser Situation seien auch Kontakte über Zoom oder Telefon keine Hilfe, da Trauer und Trost nur durch menschliche Begegnung möglich sei. Deshalb habe es vor der Pandemie in palliativen Einrichtungen keine festgelegten Besuchszeiten gegeben, damit man Sterbende jederzeit auch nachts besuchen konnte, sagte der Chefarzt der Palliativen Klinik am Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in München, die mit 32 Plätzen die größte Station für schwerstkranke Menschen in Deutschland ist.

Die Hannoversche Regionalbischöfin und frühere Beauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) für Kultur, Petra Bahr, wies in ihrem theologischen Impuls darauf hin, dass sich Trauer seit der Pandemie „in rasanter Geschwindigkeit“ privatisiert habe. Der Prozess der Privatisierung sei schon vor Corona zu beobachten gewesen. Die staatlichen Teilnehmer-Begrenzungen bei Beerdigungen hätten ihn aber enorm beschleunigt. „Ob Traditionen, die so lange unterbrochen waren, wiederkommen – das steht zu bezweifeln.“

Die Corona-Pandemie kann dem EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm zufolge zu einem bewussteren Leben anleiten. Die Gesellschaft als Ganzes sowie jeder für sich merke mit Blick auf Covid-19, „dass wir nicht alles unter Kontrolle haben“ und mit den Grenzen der menschlichen Möglichkeiten konfrontiert seien. Eine wesentliche Basis für ein bewussteres Leben „in und nach der Pandemie ist die Dankbarkeit“, sagte Bedford-Strohm.

Auszug aus Presse- und Öffentlichkeitsarbeit/Publizistik (P.Ö.P) der ELKB

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